In den vergangen 2 Wochen war ich an 6 Tagen in 20 Orten des Landkreises von Schnackenburg bis Schnega und von Trabuhn bis Neu Darchau unterwegs, und habe mit Bürgerinnen und Bürgern vor Ort gesprochen. Dabei habe ich viele engagierte Menschen kennengelernt, die eines vereint: das Leben in unserer Region lebenswerter zu machen und sich selbst dafür zu engagieren. Die hohe Identifikation mit unserer Region hat mich sehr beeindruckt. Immer wieder kam allerdings der Hinweis von diesen Menschen, dass sie sich oftmals von der Verwaltung allein gelassen oder sogar in ihrem Engagement behindert fühlen. Hier muss Verwaltung schnell besser werden und gemeinsam mit den Vereinen und Gemeinschaften nach Lösungen suchen, wo Probleme auftauchen. Bürgergesellschaft lebt vom Erfolg der Aktiven vor Ort – und den brauchen wir!

Neben den stets präsenten Feuerwehren und Fördervereinen – z.B. für die Schwimmbäder – gibt es weitere gute Ansätze für die Weiterentwicklung unseres Landkreises, so zum Beispiel das Projekt „Tante Enso“ in Schnega, welches auch auf andere Orte wie Bergen übertragbar wäre. In Jameln z.B. gibt es bereits Gespräche und Pläne für eine Übernahme dieses Konzeptes zur Grundversorgung mit Lebensmitteln und Produkten aus der Region.

Interessante Ideen gibt es auch zur Nachnutzung der Gorleben-Anlagen; so kann man sich dort eine Flächen-PV-Anlage auf 10-15 ha, ergänzt durch einen Windpark vorstellen, mit dessen überschüssiger Stromproduktion Wasserstoff produziert und in Kavernen im Salzstock gespeichert werden könnte. Wenn man hier noch weiter denkt, könnte dies sogar in einer Modellregion für den Einsatz und die Erprobung von Wasserstoff im Alltagseinsatz, z.B. bei den Bussen der LSE, aber auch bei mit Wasserstoff betriebenen Niederflurschiffen und Fähren auf der Elbe münden, die auch bei Niedrigwasser unsere benachbarten Bundesländer mit uns verbinden. Mit diesem Thema beschäftigt man sich auch in der Gemeinde Jameln, wo eine Flächen-PV-Anlage auf 70 ha entstehen soll – auch hier wird über Wasserstoffproduktion aus Stromüberschüssen nachgedacht.

Immer wieder war auch das Radwegenetz und dessen Zustand Thema meiner Gespräche. Hier wurde – so der landläufige Eindruck – in der Vergangenheit mehr auf touristische als auf alltägliche Nutzung geachtet, und so fehlen wichtige Radwegverbindungen z.B. für Schüler zwischen Sallahn und Breselenz/Jameln oder auch zwischen Streetz und Hitzacker. Aber auch die Verbindung von Rundlingslandschaft im Wendland mit der Elberegion wird als verbesserungswürdig angesehen. Konkreter Handlungsbedarf also!

Flächendeckende Breitband- und Mobilfunkversorgung waren ebenso Dauergesprächsthema wie der Streit um den Schülerverkehr und der Zustand der Kreis- und Gemeindestrassen – diese Probleme sind bekannt, können aus Geldmangel sicher nicht alle gleichzeitig und umfassend gelöst werden – Schritt für Schritt muss aber in jedem Jahr eine Verbesserung erkennbar werden.

Beeindruckt war ich auch vom Engagement für die konkreten, aber gefährdeten Einzelprojekte vor Ort, wie der Schule Schnega, Kita Karwitz, Freibad Bergen, Ärztehaus Zernien, Waldbad Wittfeitzen und Freibad Clenze. Hier wird nicht nur gefordert, sondern selbst mit angepackt – das hat Unterstützung von Politik und Verwaltung verdient!

Kreisweit müssen aber auch „dicke Bretter“ gebohrt werden: Die Einsicht für mehr Windkraft ist da, das RROP muss nun zügig geändert werden – und auch für eine künftige Dorfentwicklung offen sein. Denn es fehlt an Wohnraum, und junge Menschen drohen abzuwandern. Es wäre ein Fehler, hier nur in Lüchow, Gartow und Dannenberg Baugebiete zu schaffen; auch Waddeweitz, Trebel und Metzingen haben Bedarf (und diese Aufzählung ist beispielhaft, nicht vollständig!).Naturschutzgebiete in und an Dorflagen müssen dann auch mal moderat zurückgenommen werden, und mittelfristig wird man auch über Windkraft auf Naturschutzflächen diskutieren müssen.

Lösungen brauchen wir auch für die Mülldeponie – hier dürfen die Menschen in Woltersdorf nicht noch weiter belastet werden – die Fähren in Schnackenburg und Pevestorf, die abgängig sind und ersetzt werden müssen, und den Hochwasserschutz an Elbe und Seege, wo jetzt endlich das Tempo erhöht werden muss, um unsere BürgerInnen zu schützen.

Auch mit UnternehmerInnen und LandwirtInnen habe ich viele Gespräche geführt. Diese haben immer wieder mehr Wertschätzung durch Politik und Verwaltung gefordert und den mangelnden Respekt sowie fehlende Dienstleistungseinstellung der Behörden gerügt. Hier müssen wir ebenfalls schnell besser werden. Dabei müssen wir die Digitalisierung im Sinne von Vereinfachung und Verbesserung für die BürgerInnen nutzen, und künftig – schon wegen des Fachkräftemangels in den Verwaltungen – auch auf Quereinsteiger aus anderen Berufen setzen.

Wie Sie sehen, gibt es viele Baustellen, aber auch viele Lösungsansätze und UnterstützerInnen in unserer Region, und dennoch – oder gerade deshalb – wiederhole ich mich gern: Ein „weiter so“ kann und darf es nicht geben – ich spüre deshalb große Unterstützung für meine Herangehensweise an das Landratsamt und bedanke mich nochmals für diesen intensiven Austausch mit Ihnen.